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25.08.2010, 13:27 Uhr | Hans-Georg von der Marwitz Übersicht | Drucken
Beschwichtigen, beschönigen, rausreden
Binnenhochwasser – wie sich Brandenburg aus der Verantwortung für eine Kulturlandschaft stiehlt


Dem Friedersdorfer Landwirt und Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz ist es völlig unverständlich, wie die Umweltministerin des Landes Brandenburg zu der Einschätzung kommt, die Lage im Oderbruch würde sich entspannen (dpa-Meldung vom Montag).

Allein in seinem Betrieb können 300 ha – ein Drittel der gesamten Fläche – nicht bewirtschaftet werden. 200 ha Mais stehen teilweise kniehoch im Wasser, die Zuckerrüben versinken im Schlamm. Ganz zu schweigen von den Kellern der Eigenheimbesitzer in den Überschwemmungsgebieten, die vollgelaufen sind. „Unter solchen Bedingungen von einer Entspannung zu reden, zeugt von einer gewaltigen Fehleinschätzung der Situation“, meint der Landwirt.


Dabei ist ihm bewusst, dass es natürlich immer wieder Binnenhochwasser geben wird und dass die Ursachen des aktuellen Zustands in den außergewöhnlichen Niederschlägen der vergangenen Wochen liegen. „Dass das Wasser aber nach zehn Tagen ohne nennenswerte Niederschläge nicht abfließen kann, hat Gründe, die dem Wassermanagement anzulasten sind. Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte werden in solcher extremen Witterungssituation besonders offensichtlich.“ Den regelmäßigen Hinweisen des Gewässer- und Deichverbandes (GEDO) sei von Seiten des Umweltministeriums wenig Gehör geschenkt worden – im Gegenteil: Seit Jahren wurden dringend notwendige Maßnahmen, die für den zügigen Abfluss des Wassers nötig wären, unterlassen. Marwitz: „Wir stellen seit langem eine schleichende Vernässung unserer wertvollen landwirtschaftlichen Nutzflächen fest.“

Seit der Trockenlegung des Oderbruchs weiß jeder, der mit der Besonderheit dieser Kulturlandschaft vertraut ist, wie wichtig die kontinuierliche Pflege des ausgeklügelten Grabensystems mit seiner Vorflut und seinen Schöpfwerken ist.

Daher fordert der Abgeordnete:
  1. Sofortige Grundräumung der Gewässersohlen im unteren Oderbruch und die Grundräumung aller Hauptabflüsse.
  2. Aufweitung der Wriezener Alten Oder.
  3. Umsetzung des vom Gewässer- und Deichverband (GEDO) bereits vor Jahren vorgelegten Konzeptes für ein optimiertes Wassermanagement.
„Mit dem Binnenhochwasser wird offensichtlich, dass schleichend daran gearbeitet wird, das Oderbruch zu renaturieren. Die fachlichen Hinweise und Mahnungen vor allem von Seiten des GEDO an das Umweltministerium wurden ignoriert – nicht selten ideologisch kommentiert“ so Marwitz.

Das zeigte sich auch im Umgang mit der Biber-Problematik zur Zeit des Oderhochwassers: Anstatt wie bei jedem Wildtier, dessen Population sich über Gebühr entwickelt, regulierend einzugreifen, wurde unter anderem gefordert, im Falle des Hochwassers den Biber einzufangen, um ihn nach Rückgang des Wassers wieder auszusetzen. Dazu meint der Landwirt Marwitz: „Genauso abwegig wäre es, um die Wildschäden im Mais durch Wildschweine zu vermeiden, selbige im Frühjahr einzufangen, um sie nach erfolgter Ernte wieder auszusetzen. Diese aberwitzige Diskussion muss sofort beendet werden.“ Als Konsequenz fordert Marwitz die gezielte Bestandsregulierung durch Abschussquoten.

„Die Landesregierung ist dabei, eine der wertvollsten landwirtschaftlichen Regionen Brandenburgs aufzugeben. Das Oderbruch ist kein Naturreservat, sondern eine von Menschen geschaffene einzigartige Landschaft. Der Erhalt dieser Kulturlandschaft hat in den letzten 250 Jahren allen in Verantwortung für die Region stehenden Regierungen Geld gekostet. Es wäre unseren Vorfahren nie eingefallen, diese gut angelegten Gelder in Frage zu stellen.

Ich erwarte von der Landesregierung, dass die Mittel für die von mir geforderten Maßnahmen zum Wohle aller im Oderbruch Lebenden bereitgestellt werden.“

aktualisiert von Sebastian Krahnert, 26.08.2010, 13:30 Uhr

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